„Am Donnerstag stürmen wir den Landtag!“

Datum: 
Donnerstag, 16. Dezember 2010

Demokratie bedeutet Mitbestimmen. Mitreden kann aber nur der, der weiß, um was es geht. Und genau an dieser Stelle, der politischen Bildung, haben wir, die 10a, mit unserem Besuch des Hessischen Landtags in Wiesbaden am Donnerstag, den 16.12.10 angesetzt. Nach einer Zugfahrt, einem viertelstündigen Marsch durch das klirrend kalte Wiesbaden und einer Sicherheitskontrolle wie am Flughafen waren wir endlich am Ziel angelangt. Es ist durchaus merkwürdig, die Räume zu betreten, die man schon des Öfteren in den Nachrichten gesehen hat, grüßend an den Leuten vorbeizugehen, deren Namen man kennt und deren Gesichter einen fast jeden Tag von der Titelseite der Frankfurter Allgemeinen
angrinsen.
Zunächst hatten wir ein Gespräch mit jeweils einem Abgeordneten der CDU, SPD, der Grünen und der Linken und obwohl bei Politikern sogar nach eigenen Angaben die Devise lautet: Viel reden ohne viel zu sagen, konnten wir einige Dinge rund um Schul- und andere Politik herausfinden. Nun durften wir noch von oben eine Plenarsitzung verfolgen und feststellen, dass es dort nicht wie im Unterricht zugeht. Man darf dort telefonieren, dazwischenrufen, Zeitung lesen und mit einem starren Blick auf den Laptop demonstrativ sein Desinteresse ausdrücken. Man darf zwischendurch rausgehen und sich mit seinem Nachbarn unterhalten oder auch fehlen. Wobei natürlich nicht zu vergessen ist, dass man als Politiker mehr arbeitet und weniger verdient als in einem anderen Beruf. Man muss immer informiert sein, möglichst alles wissen, jeden Tag Unmengen an Schriftstücken durcharbeiten und am besten noch von einer Veranstaltung zur nächsten hetzen. Außerdem haben viele nebenher noch einen anderen Beruf, der für sie zum einen eine Sicherheit darstellt, zum anderen dazu beiträgt, dass sie nicht verge en, wen sie da eigentlich vertreten, nämlich die Bürger,
das Volk, uns.
Dies erklärte uns ein Politiker, der uns freundlicherweise noch mit einer Privatführung durch das Gebäude beglückte, denn der moderne Teil des Landtags, den man aus dem Fernsehen kennt, ist nicht alles. Ein Teil besteht immer noch aus fürstlichen Räumen mit prunkvollen Kronleuchtern, großen Spiegeln, Bildern und samtge-
polsterten Stühlen.
Mit so verschiedenartigen Eindrücken ging unser Tag im Hessischen Landtag zu Ende. Der vielleicht wichtigste Eindruck war hierbei, dass wir nun einmal wirklich die Luft der Demokratie schnuppern, die seit Jahrzehnten gepflegte Streitkultur hautnah erleben konnten. Wenn man in der Zeitung etwas über Politik ließt, dann denkt man vielleicht, dass das alles so weit weg und unwirklich ist. Nun haben wir gesehen: Das stimmt nicht! Die Abgeordneten im Landtag entscheiden Dinge und machen Gesetze. Sie legen so den Rahmen fest, in dem wir unser Leben führen, ohne gegen das Gesetz zu
verstoßen.
Natürlich kann man Schüler nicht von einem Tag aufden anderen zu mündigen, politisch gebildeten Bürgern erziehen, zumal wir noch keine 18 Jahre alt sind und demnach nicht wählen dürfen, aber dennoch war der Besuch ein großer Schritt in die besagte Richtung. Es war informativ und hat allen Spaß gemacht.

Sophia Meyer

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